Die
Kinder-Uni
Einen Kinder-Akademietag gab es am
31. Oktober 2006 in der Nürnberger Abteilung der Hochschule
für Musik. Er ist Teil der neuen Kinder-Uni, einem
Projekt des KinderKulturForums
UFO und dem Bündnis für Familie der Stadt
Nürnberg, an dem mehrere Hochschulen und Institutionen
im Stadtgebiet beteiligt sind.
Film ab – Ton läuft
Kinder komponieren an der Hochschule
die Musik zu einer Filmszene
„Das ist aber schwierig“, staunt André,
elf Jahre alt, als die beiden Studentinnen Elly Döring
und Katja Meier auf ihren Violinen spielen. André
ist Teilnehmer des Kinderakademietages an der Hochschule
für Musik in Nürnberg, sozusagen ein kleiner „Student“,
der an diesem Tag lernen möchte, wie man eine Filmszene
vertont. Eines von rund 60 Kindern. Zehn Dozenten und 20
Studenten werden an diesem letzten Nachmittag im Oktober
mit den „Gaststudierenden“ eine Filmmusik für
eine Szene komponieren und später einspielen.
Vroni Priesner, Dozentin für Elementare
Musikpädagogik, hat die Geschichte geschrieben und
mit Studenten diesen Film gedreht. Jedes Kind entscheidet
sich für die Instrumenten-Gruppe, die ihm am besten
gefällt. Fünf werden von verschiedenen Dozenten
angeboten: die Elementare Musikgruppe (hauptsächlich
Percussion-Instrumente) von Doris Hamann, die Klaviergruppe
von Ulrich Hench, die Akkoredeongruppe von Irene Urbach,
die Streichergruppe von Sally Becker und die Bläsergruppe
von Professor Silvan Koopmann, Günter Priesner und
Günter Voit.
Viele
Kinder haben ein eigenes Instrument dabei. Florian, sieben
Jahre alt, spielt gleich auf seinem Akkordeon. Supergut.
Da hat Irene Urbach einen Vorschlag: Florian soll das Knopf-Akkordeon
ausprobieren, weil er ja schon so viel kann. Gesagt, getan,
alle anderen Kinder beginnen unter der Leitung von zwei
Studenten und einer Studentin mit der Arbeit. Erst einmal
werden Geräusche und Töne „produziert“,
dann überlegt, welche Musik wohl zu den einzelnen Sequenzen
der Szene passen könnte. Die Kinder sind gut vorbereitet,
denn zu Beginn des Akademietages wurden sie in kurzen Vorträgen
über Filmgeschichte informiert, und darüber, was
Filmmusik alles kann. Damit das nicht so theoretisch blieb,
gab’s auch Beispiele: aus einem Asterix-Film etwa,
dem Dschungelbuch oder den Kleinen Strolchen.
Die Kinder haben für ihre Filmmusik gleich
Vorschläge. „Da gehört ein Bass hin“,
kommt es spontan von Julia, zehn Jahre alt. Bei einer anderen
Sequenz ist die neunjährige Annemarie aus der Gruppe
der Streicher der Meinung: „Ich könnte mir vorstellen,
dass wir hier wieder mit den Tönen nach oben gehen
müssen.“ Viele Ideen kommen an diesem Nachmittag
von den Kindern. Manche von ihnen hatten noch nie ein Instrument
in der Hand. Schnell lernen sie, welche Musik Spannung erzeugt,
wann’s leise sein oder lauter werden muss.
Die
Studentinnen und Studenten der Hochschule, die die Sieben-
bis Zwölfjährigen anleiten, staunen nicht schlecht.
„Das ist mir bei dieser Sache wichtig“, betont
Renate Reitinger, Professorin für Musikpädagogik.
„Die Studierenden sehen heute deutlich, was Kinder
in diesem Alter schon alles können, welche erstaunlichen
Interessen und Ideen sie haben. Diese Sichtweise müssen
wir in der Pädagogik besonders heraus stellen und darauf
aufbauen, nicht immer nur auf die Fehler zeigen!“
Und Ulrich Hench, Dozent für Musikpädagogik, ergänzt:
„Wir machen hier genau das, was später in den
Musikschulen verlangt wird von unseren Hochschulabgängern.
Wann haben Studierende schon die Gelegenheit, mit so vielen
Kindern an einem Projekt zu arbeiten!“
„Es war sehr gut, dass wir es geschafft
haben, mehrere Methodik-Seminare zu beteiligen“, ist
Vroni Priesner überzeugt. Die Studierenden mussten
für diesen Tag Konzepte verfassen und mit den Kindern
verwirklichen. „Die Übernahme von Verantwortung
hat das Gemeinschaftsgefühl unglaublich gestärkt.“
Bei solchen Aufgaben, wolle man Studenten außerdem
dazu befähigen, „Kinder nicht etwas möglichst
perfekt vortragen zu lassen, sondern Musik zu empfinden.“
Am Schluss jedenfalls sind alle begeistert. Kleine wie große
Studenten. Sicherlich haben sie auch voneinander gelernt.
Ganz klar, dass so eine Leistung verdächtig
für einen Oskar ist. Jeder Teilnehmer bekommt einen:
etwa für die ungewöhlichste Filmmusik, für
die abwechslungsreichste, die unheimlichste, die einfühlsamste
und die witzigste. Live spielen denn die Kinder auch die
Musik zur Filmszene ein. Und natürlich erhalten sie
auf Wunsch die DVD.
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